kokosnussDer seit Monaten andauernde Hype um die positiven Auswirkungen des Kokosfettes auf die menschliche Gesundheit ist Gegenstand dieses Artikels. Für Ernährungsfachkräfte, die täglich sich mit der Thematik Fett auseinandersetzen müssen, ist diese Entwicklung erst einmal sehr zweifelhaft und soll deshalb hier genauer besprochen werden.

Herkunftsquelle und Fettsäuremuster
Das aus Kokosnüssen gewonnene Fett weist ein relativ ungünstiges Fettsäuremuster auf. Immerhin kommen in 100 g Kokosfett ca. 86 g gesättigte Fettsäuren vor, so dass die Bezeichnung Fett in diesem Fall zutrifft, da Kokosfett bei Raumtemperatur fest ist. (Eine genaue Analyse der Fettsäuren im Kokosfett können Sie hier als –> PDF Dateien  <– herunterladen).
Mit 13g mittelkettiger Fettsäuren auf 100g ist Kokosfett somit eine native Quelle für MCT. Zu den mittelkettigen Fettsäuren gehören jene mit einer Kettenlänge zwischen 8 bis 12 C Atomen. Das wären die Caprylsäure (C:8:0), die Caprinsäure (C:10:0) und die Laurinsäure (C:12:0).  Im weitesten Sinne werden auch die kurzkettigen Fettsäuren C:4:0 (Buttersäure) und C:6:0 (Capronsäure) noch dazugerechnet.
Auch diese mittelkettigen Fettsäuren sind allerdings gesättigte Fettsäuren und scheinen eine – bislang in der Literatur beschriebene- eher ungünstige Wirkung auf die Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride) zu haben.
Der Vorteil der mittelkettigen Fettsäuren liegt in der vergleichsweise einfachen Assimilation. So ist bei der Verdauung dieser Fettsäuren die Anwesenheit von Lipasen und Gallensäuren nicht notwendig. Die hydrolytische Abspaltung vom Glycerol erfolgt sehr rasch und die Absorption benötigt weder die Bildung von Chylomikronen noch erfolgt sie über die Lymphbahn.
Dieser Effekt gilt allerdings nur für reine MCT Fette mit einem Anteil von 80 bis 95%. Der MCT Anteil in reinem Kokosfett ist mit 13% viel zu gering, als dass dieses Assimilationsverhalten auch für natives Kokosfett gelten würde.

Die positiven gesundheitlichen Effetke des Kokosfettes sind vor allem auf die Wirkungen der Laurinsäure (C:12:0) zurück zuführen. Dabei ist der Anteil der Laurinsäure in Kokosfett mit 44g auf 100g extrem hoch. Laurinsäure wird in der Leber und im Fettgewebe in Monolaurin (Glyerol verestert mit der Laurinsäure am ersten C Atom) umgewandelt. Diese Verbindung hat nachweislich antibakterielle, antimykotische und antivirale Eigenschaften.
Ob diese Effekte allerdings ausreichen, um den Verzehr von Kokosfett so anzupreisen, ist eher zweifelhaft zumal sehr viele sekundäre Pflanzenstoffe einen wesentlich stärkeren antimikrobiellen Effekt aufweisen.

Neben den eher zweifelhaften gesundheitlichen Effekten sprechen vor allem die ökologischen Nachteile gegen den Verzehr von Kokosfett. Die langen Transportwege, die wasserintensive Gewinnung, der Anbau in Monokulturen und die z.T. energieaufwendige Herstellung raffinierten Kokosfettes sprechen eher für den Verzehr heimischer Öle und Fette wie kaltgepresstem Rapsöl, Olivenöl, Leinöl oder auch Butter aus ökologischer Produktion.

Fazit:
Kokosfett stellt sich für uns als keine gleichwertige Alternative zu den heimischen Ölen dar. Wir setzen weiterhin auf die geschmacklich besseren und gesünderen Öle wie Rapskern-, Oliven-, Walnuss- und Leinöl. Insofern nur eine Marketingstrategie!

Wir hoffen, dass der Artikel euch Spaß gemacht hat. Die Inhalte dieses Artikels sind auch Teil der Diätassistentenausbildung an unserer Schule. Wenn ihr Interesse bekommen habt, besucht doch unsere Homepage unter www.bfsdiät.de und informiert euch über diese Ausbildung. Alles Gute und bis zum nächsten Artikel.

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